Ehrung SV Ippensen

Der SV Ippensen ist gestern Abend (19. Oktober) mit einem Bankett im Barsinghäuser Sporthotel Fuchsbachtal als VGH Fairness-Cup-Sieger der Saison 2021/22 geehrt worden. NFV-Präsident Ralph-Uwe Schaffert und VGH-Repräsentant Joachim Litwin (Leiter der Abteilung Marketing/Werbung und Verkauf) überreichten den Siegerpokal. Zudem durfte sich der Bezirksligist aus dem NFV-Kreis Rotenburg über einen Gutschein für ein Wochenend-Trainingslager im Sporthotel Fuchsbachtal freuen.

„Gäbe es eine Deutsche Meisterschaft, wärt Ihr Mitfavorit“ – mit dieser Vermutung würdigte Schaffert das kontinuierlich faire Verhalten des Teams in den vergangenen Jahren. Denn zusätzlich zur Gesamtwertung werden beim VGH Fairness-Cup auch die drei fairsten Teams auf Ebene der 13 niedersächsischen VGH-Regionaldirektionen (RD) ermittelt. Und auf dem Gebiet der RD Stade, für die das Abschneiden der Teams aus den NFV-Kreisen Rotenburg und Stade berücksichtigt wird, belegte der SV Ippensen von 2017 bis 2020 je zweimal Platz eins und Platz zwei.

Dass es in der Saison 2021/22 (in der Spielzeit 2020/21 fand aufgrund des pandemiebedingten frühen Abbruchs der Punkterunde keine Auswertung statt) sogar zum Triumph auf Landesebene reichte, verblüffte die Ippenser allerdings. „Wir sind keine Tiki-Taka-Mannschaft, sondern spielen relativ körperbetont. Insofern sind wir alle überrascht, dass wir heute hier sein dürfen“, erklärte der 2. Vereinsvorsitzende Hendrik Kaiser in seiner Dankesrede.

In 30 Saisonspielen der Staffel 3 der Bezirksliga Lüneburg hatte der SVI an Verwarnungen nur 20 gelbe Karten hinnehmen müssen. „Ich habe als A-Jugendlicher mal in einer Saison alleine mehr gelbe Karten bekommen als ihr jetzt alle zusammen“, flachste Schaffert und schilderte den Grund: „Ich war ein Freund des körperlosen Spiels, konnte aber meinen Mund nicht halten.“ Inzwischen 66 Jahre, ist er längst geläutert: „Zum Fair Play gehört auch, dass man nicht nur wenige oder keine Karten im Verlauf einer Saison sammelt, sondern die Entscheidungen des Schiedsrichters einfach akzeptiert.“ Dies ist auch eine der goldenen Regeln des SV Ippensen. „Es gibt bei uns kein Gemecker. Da reißen wir uns zusammen“, berichtete Kaiser.

Als Vorbilder in puncto Fair Play bezeichnete Schaffert die deutsche Frauen-Nationalmannschaft, die er bei der jüngsten Europameisterschaft als Delegationsmitglied begleitete. „Von dieser Mannschaft können wir uns alle eine Scheibe abschneiden.“ In diesem Zusammenhang ging er auf den nicht gegebenen Elfmeter im Finale gegen England ein. Beim Stand von 0:0 spielte die englische Verteidigerin Leah Williamson in der 26. Minute den Ball im eigenen Strafraum klar mit dem Arm. Die Szene nach einer Ecke war im normalen Spielverlauf nicht eindeutig zu erkennen, hätte nach Ansicht der TV-Bilder aber zu einem Eingriff des Videoassistenten führen müssen. „Die Bundestrainerin hat dazu ein, zwei Sätze gesagt, das muss sie auch. Doch für die Spielerinnen war das überhaupt kein Thema. Da hat keine einzige die Schuld für die Niederlage in dem nicht gegebenen Handelfmeter gesucht.“ Zudem würde man bei diesen Spielerinnen nicht erleben, „dass sie nach einem vermeintlichen Foul auf dem Rasen liegend den Heldentod sterben, aber zwei Minuten später dann wieder wie die Hasen über den Platz rennen.“

Den Siegerpokal in Empfang nahm der langjährige Kapitän Marcel Gerken. „Für einen kleinen Dorfverein wie Ippensen, der Ort hat 260 Einwohner, ist es echt schon krass, so einen großen Titel zu gewinnen. Da können wir wirklich stolz drauf sein.“

Der heutige VGH Fairness-Cup wurde 1992 zum ersten Mal ausgetragen. Damit ist er einer der ältesten Fair-Play-Wettbewerbe im deutschen Verbandsfußball und feierte in diesem Jahr sein 30. Jubiläum. Zum Modus: Teilnehmer sind alle niedersächsischen Herrenmannschaften von der Bundesliga bis einschließlich der Kreisligen. Gelbe Karten werden mit je einem, gelb-rote Karten mit je drei und rote Karten mit je fünf Strafpunkten geahndet. Sportgerichtsurteile oder auch der Nichtantritt schlagen mit zehn Zählern zu Buche. Die Summe der Strafpunkte geteilt durch die Anzahl der Saisonspiele ergibt den Fairness-Quotienten. Beim SV Ippensen lag dieser Wert bei 0,67. Schlusslicht unter 991 Teams ist Dicle Celle mit einer Bilanz von 55 gelben, sechs gelb-roten und zwei roten Karten in 22 Spielen. Hinzu kommen fünf Sportgerichtsverfahren, so dass sich der Quotient auf 6,05 beläuft.

Autor / Quelle: maf

Foto: Nico Müller/Carisma

Seite zuletzt aktualisiert am: 29.10.2022

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